MotoGP: Rückblick auf die Saison 2011

Dienstag, 29. November 2011 ·

Man sitzt im Flugzeug, hat alle Zeitschriften gelesen, im Bordprogramm wird nichts Interessantes gezeigt (vorausgesetzt man versteht überhaupt ein gesprochenes Wort mit den zur Verfügung gestellten Kopfhörern) und an Schlaf ist aufgrund der üppigen Platzverhältnisse im hinteren Teil der Röhre auch nicht zu denken. Was nun? denkt sich der geneigte Blogger, hole ich einfach einen Beitrag nach, den ich versprochen, aber bisher noch nicht geliefert habe. So soll es denn sein und dieser Saisonrückblick entsteht auf dem Weg in die USA.

16072010158Die Saison 2011 hatte Höhepunkte, genauso wie auch erschütternde Momente. Ein klarer Tiefpunkt war der tödliche Rennunfall von Marco Simoncelli. Die weltweite Anteilnahme von Kollegen, Fans und Herstellern beeindruckte fast wie die Rennen, durch welche Super-Sic uns allen in Erinnerung bleiben wird.

Kein wirklicher Höhepunkt war der Titelkampf in der MotoGP. Die Rennen waren fast zu langweilig, zu gering die Unterschiede in den Rundenzeiten oder zu dominant der Fahrer – Casey Stoner. Er sicherte sich recht eindeutig die Krone im Motorrad-Grand-Prix-Sport. Die perfekte Kombination aus bestem Motorrad und bestem Fahrer, zumindest im Jahr 2011. Überrascht hat mich Jorge Lorenzo, der nach seinem Titel 2010 sichtlich greift die Saison bestritt. Material-technisch hatte er nicht wirklich ein Chance gegen die Honda-Armada, aber wann immer er konnte fuhr er um den Sieg mit. Nach den Hondas und der Yamaha von Lorenzo kam meist der Rest der Yamahas um  Ben Spies und die private Tech3-Truppe mit dem aus meiner Sicht besten Rookie: Cal Crutchlow. Suzuki schloss am Ende der Saison noch zu den Yamahas auf. Danach prügelten sich sie Ducati um die Plätze, erstaunlicherweise waren oft die privaten Ducati vor den Werksmaschinen. Was mich zum tragischen Held der Saison bringt. Valentino Rossi kam die ganze Saison über nicht mit deinem Arbeitsgerät zurecht. Ducati veränderte ständig das Motorrad. Ob Motor, ob Schwinge, ob Sitzposition, ob Rahmen, ob Material, nichts half wirklich. Und so stand der Doktor gerade einmal auf dem Podest, wenn auch unter glücklichen Umständen. Enttäuschend ist der Ausstieg von Suzuki. Besonders nach den guten Leistungen gegen Ende der Saison. Leider konnte Alvaro Bautista die guten Trainingsergebnisse nicht in entsprechende Punkte im Rennen ummünzen. Für Bautista hat der Ausstieg von Suzuki und der Anstieg seiner Form dennoch etwas Positives. Er wird im Gresini-Team die für Simoncelli vorgesehene Werks-Honda pilotieren.
Absolut enttäuscht hat auch 2010er-Moto2-Weltmeister Toni Elias. Er schien überhaupt nicht zurecht zu kommen. Das Resultat: Kein Vertrag für 2012. Seinen Sitz auf der LCR-Honda übernimmt der amtierende Moto2-Weltmeister Stefan Bradl, der auf Anhieb in den Nachsaison-Tests mit der Honda zurecht kam und wieder die deutschen Farben wieder in der höchsten Motorrad-Rennsport-Klasse repräsentieren wird.

Generell muss man sich fragen, ob die Dorna mit den Regeländerungen in der MotoGP für 2012 die richtige Richtung einschlägt. Der Einsatz von CRT-Bikes neben den Prototypen füllt zwar das Feld wieder etwas auf, aber durch den Ausstieg von Suzuki und weniger Prototypen werden die Rennen sicher nicht spannender. In den ersten Tests waren die CRT-Bikes sogar langsamer als die schnellsten Moto2-Maschinen.

Kommen wir damit auch noch zu den kleineren Klassen und diese muss man mal wieder als klare Höhepunkte nennen. Nirgends geht es so eng zu wie in der Moto2. Am Ende konnte Stefan Bradl einen Motorrad-WM-Titel nach Deutschland holen, 18 Jahre nach Dirk Raudies (125ccm, 1993). Seinen Titel wird er aufgrund seines Aufstiegs in die MotoGP nicht verteidigen können, sein Cockpit beim Kiefer-Viessmann-Racing Team übernimmt aller Wahrscheinlichkeit nach Max Neukirchner. Mein Tipp für 2012 heisst Marc Marquéz, was angesichts des Saisonverlaufes in 2011 nicht verwundern sollte. Das Konzept der Moto2 ist voll aufgegangen und wird uns die nächsten Jahre noch erfreuen.

Einen ähnlichen Schritt geht man ab 2012 mit der Moto3, welche die 125ccm-Klasse ersetzt. Den letzten 2-Takt-Titel sicherte sich im letzten Rennen Nicolas Terol. Verdient. Leider konnten die deutschen Fahrer Jonas Folger und Sandro Cortese nicht um den Titel mitkämpfen. Zu unbeständig waren ihre Leistungen über die Saison. Aber es war dennoch aus meiner Sicht eine hervorragende Saison mit deutschen Siegen und Podestplätzen wie lange nicht mehr. Hoffen wir, dass dies 2012 so weiter geht.

News zu den Teams und Fahrerpaarungen werde ich dann über die Wintermonate hier zusammenstellen, wenn dort mehr und mehr die Fahrer feststehen.

Die Weltmeister auf einen Blick:

125ccm Nicolas Terol Spanien
Moto2 Stefan Bradl Deutschland
MotoGP Casey Stoner Australien

 

Der finale Punktestand:

2011-11-29_001834 2011-11-29_001435 2011-11-29_000546

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